Gereimte Predigt

Ihr lieben Schwestern, Brüder, Kinder,
ihr frommen Seelen und ihr Sünder,
ihr Einheimischen und auch ihr Gäste,
ihr Zweifler und im Glauben feste.
Kurzum, ich grüße alle Leute,
die in den Bänken sitzen heute.

Auch jene, die dort hinten stehen,
vielleicht, weil sie da besser sehen;
vielleicht auch, weil sie später kamen
und bislang noch nicht Platz einnahmen.
Egal, warum ihr dieses tut.
Ihr seid auch da, und das ist gut.

Weil Fastnacht wieder mal erscheint,
gibt es die Predigt heut gereimt.
Doch gleich am Anfang teil ich mit:
Verwechselt sie nicht mit 'ner Bütt.
Denn auch in Reimen kann man sagen,
was Predigern ist aufgetragen.

Dass dies die Frohe Botschaft ist,
ist selbstverständlich für 'nen Christ.
Und diese gilt es zu bedenken,
drum sollt Ihr euer Ohr mir schenken,
wenn ich versuche, nachzufragen:
Was will das Evangelium sagen?

Im alten Israel war's Brauch
und wurde zum Gesetztext auch,
dass jeder, der was Übles tat,
das Selbe zu erdulden hat.
Man sah es als gerecht nur an:
Auge für Auge, Zahn für Zahn.

Für uns mag das recht seltsam klingen,
doch sollt' Gerechtigkeit dies bringen.
Nicht dass der, der 'nen Zahn verlor,
dem Täter ew'ge Rache schwor.
Die gleiche Strafe der verdient
und damit ist die Schuld gesühnt.

Wir hörten, Jesus passt das nicht.
Deshalb er zu den Leuten spricht:
Wenn jemand euch ins Antlitz schlägt,
dann haltet dem unaufgeregt
auch noch die and're Wange hin,
weil Gegenwehr hat keinen Sinn.

Denn diese trüge dazu bei,
dass, ganz egal, wie klein auch sei
der Streit, er würde größer nur
und von Befriedung keiner Spur.
Doch dieser Kreislauf von Gewalt,
der macht den Menschen hart und kalt.

Und Jesus sagt: Ihr sollt nicht hassen,
damit uns Liebe kann erfassen,
die Gott uns schenkt, aus der wir leben.
Das aber ist das Schwerste eben,
zu lieben sogar unsern Feind,
der's wahrlich nicht gut mit uns meint.

Warum sagt Jesus solche Sachen,
die wir kaum fähig sind, zu machen?
Er will, dass endlich wir kapieren,
wo Liebe ist, wird's funktionieren,
dass Menschen gut zusammenleben,
nur so kann's eine Zukunft geben.

Denn jeder, der wie Jesus handelt
und Liebe schenkt, der wird verwandelt,
der spürt: aus dieser großen Kraft
der Liebe da wird viel geschafft.
Egal, wie Menschen auch gesinnt,
ein jeder ist doch Gottes Kind.

Natürlich ist dem Herrn auch klar,
das klappt nicht immer wunderbar.
Gelegentlich da menschelt's sehr,
da fällt die Nächstenliebe schwer.
Für Jesus ist das Ziel allein:
Vollkommen soll'n wir alle sein!

Doch mancher ist wohl jetzt erschreckt,
denkt sich: Nobody is perfect.
Ein jeder von uns Fehler macht,
mal absichtlich, mal unbedacht.
Das bringt der Alltag so mit sich.
Zuweilen ist das ärgerlich.

Von Perfektion ist keine Spur.
Wir sind ja schließlich Menschen nur,
die Fähigkeiten und auch Gaben
und freilich manche Macke haben.
Wer das kapiert, der ist nicht dumm,
mit andren geht barmherzig um.

Wo das gelingt, man sofort spürt,
dass Gottes Geist uns Menschen führt.
Er treibt uns an zu neuem Handeln,
damit wir so die Welt verwandeln.
Die Mitmenschen können dann seh'n,
dass wir in Jesu Fußspur geh'n.

Auch wenn dies anstrengend mal wird,
so sollten wir doch unbeirrt
es immer wieder neu versuchen,
niemandem zürnen, schimpfen, fluchen
und zum Verzeihen stets bereit.
So wächst uns're Vollkommenheit.

Damit lass ich es nun bewenden,
will ein paar Worte an euch senden
und mir dabei noch andre Themen
aus der Gemeinde jetzt vornehmen:
was war, was ist, was kommen wird
und wohin dann das ganze führt.

In der Gemeinde ist viel los,
die Zahl der Engagierten groß:
Auf Putz-Team, Ministranten, Chor,
auf Orgelspieler und Lektor,
auf Küster und Caritaskreis,
da ist Verlass, wie jeder weiß.

Und jene, die die Blumen machen
und viele, viele andre Sachen,
auch die, die Kommunion austeilen,
die, wenn man Hilfe braucht, hereilen,
und die, die kreativ gestalten
und Kindergottesdienste halten.

Auch uns're Kreise, die sind fit
und machen immer feste mit.
Sehr vieles wird da unternommen,
wenn sie zum Treff zusammenkommen.
Wer sich dies ins Bewusstsein hebt,
der sieht, dass die Gemeinde lebt.

Das wahrzunehmen macht mir Mut
und ist auch für die Zukunft gut.
Denn Änderungen stehen an,
das weiß ja hier ein jeder Mann
und jede Frau, auch jedes Kind.
Bald weht bei uns ein andrer Wind.

Denn im September gründen wir
nicht, wie wir wollten, nur aus vier,
sondern aus zehn Gemeinden eine
ganz neue Großpfarrei, die kleine
ist nun Geschichte. Blickt voran
auf das, was Neues dann fängt an!

Nachdem im März im letzten Jahr
der Bischof machte allen klar,
dass Pfarrkirche die HeiFa wird,
gab's welche, die war’n irritiert,
weil doch die Nepomuk-Pfarrei
die erste in Westsachsen sei.

„Pfarrkirche“ nur ein Titel ist.
Ich hoffe schon, dass ihr das wisst.
Gemeinde, die lebt doch vor Ort,
man hört gemeinsam Gottes Wort
und feiert dann Eucharistie,
dafür braucht's einen Titel nie.

Und auch die Nächstenliebe geht
am besten dort, wo man grad steht
und sieht, dass Hilfe nötig wird.
Kein Titel automatisch führt,
dass jeder packt ganz fest mit an,
wo er grad ist und helfen kann.

Der Name uns’rer Großpfarrei
auch „Heilige Familie“ sei.
Mehrheitlich wurde so votiert,
und dieses hat dazu geführt,
dass Bischof Heinrich das beschloss;
bei manchen war der Ärger groß.

Sie redeten nicht drumherum:
„Ein neues Patrozinium,
das wollen wir und keine alten!“
Ich hatte dabei Sorgenfalten.
Auch praktisch ist der Namensstand
gering bis gar nicht relevant.

Hätte man dies realisiert,
dann hätt's vielleicht dazu geführt,
dass zehn Gemeinden unterm Strich
um Vorschläge dann zanken sich.
Der Bischof hat im Bistum dies
mehrfach erlebt, und das war mies.

Selbst wenn man sich geeinigt hätt',
wär' das Verwirrspiel dann komplett,
weil alle Kirchen wie bisher
so heißen. Zu erklär’n wär's schwer:
Ein neuer Name zwar beliebt,
doch's dazu keine Kirche gibt.

Nun, wenn ich ehrlich bin, wie oft,
so hätte heimlich ich gehofft,
‚Mauritius‘ wird der Favorit,
weil vielleicht so mein Wunsch geschieht:
Der Pfarrer dieser schönen Stadt
bekommt vom Brauhaus Deputat.

Auch dieser Traum ist nun zerlaufen,
mein Bier muss ich mir selber kaufen.
Und die Pfarrei nun „HeiFa“ heißt.
Ich hoffe, dass zusammenschweißt,
was wir gemeinsam schon bestanden,
trotz Streit, Disput Lösungen fanden.

Ich bitte euch, denkt stets daran:
‚Heil'ge Familie‘ ist Programm.
Und das heißt, miteinander gehen,
die Interessen aller sehen,
Veränderungen mitzutragen
nicht meckern, motzen oder klagen.

Wer sagt: „Hier war’s schon immer so!“,
der wird am Ende auch nicht froh,
weil letztlich er an Ort und Stelle
im Alten rührt, sucht nicht die Quelle,
die uns mit neuem Leben speist.
Da keine Chance hat Gottes Geist.

Die Kirche hat in all den Jahr'n
Veränderungen viel erfahr’n.
Ich denk', so wird's auch künftig sein.
Deshalb bitte ich: Lasst euch drauf ein!
Denn Gott gehört die Kirche hier,
nicht euch und ebenfalls nicht mir.

Doch dieser Gott, der kann uns geben
ein tiefes, sinnerfülltes Leben
und Zukunft, die darüber geht,
was unser Denken so versteht.
Dafür lohnt es, sich zu bemüh'n
und viele Menschen mitzuzieh'n.

Wenn wir die Hoffnung, die uns trägt,
ausstrahlen und uns Freude prägt,
dann werden dies wohl unbenommen
auch andre Leute mitbekommen.
Und vielleicht stell'n die dann die Frage:
„Ob ich es auch mit Glauben wage?“

Dann hätten wir schon viel erreicht.
Freilich ist dies nicht immer leicht.
Und doch, es lohnt sich zweifellos,
denn Jesu Botschaft ist famos.
Wenn sie im Alltag wird konkret,
dann jeder Mensch dies auch versteht.

Nun soll es reichen mit den Reimen,
denn manche schon recht müde scheinen,
weil ich die gold'ne Regel brach
und länger als sonst üblich sprach.
Übt Nachsicht mit mir, Christenschar!
Denn das passiert einmal im Jahr.

Ich komme jetzt auch ganz behände
für heute erst mal an ein Ende.
Mög' Gottes Segen euch begleiten
in guten wie in schlechten Zeiten.
Ihr lieben Kinder, Herren, Damen!
Gelobt sei Jesus Christus. Amen.

© Markus Böhme, Februar 2020

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